Index der Täter – H

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Hier werden Personen der Zeit des Nationalsozialismus erwähnt, die sich aktiv am System beteiligten und in den Texten vorheriger Seiten Erwähnung fanden.

Hackenholt, Lorenz

SS-Scharführer, T4

*26.06.1914 Gelsenkrichen. Fahrer Bracks, Einsatz in den Vergasungsanstalten Grafeneck und Sonnenstein. SS-Hauptscharführer in Belzec, Bedienung der Vergasungsanlagen. Laut Himmler einer der verdientesten Männer der Aktion Reinhard, danach in Triest. Sein Kollege Erich Bauer hat ihn nach Kriegsende nahe Ingolstadt getroffen. gest. 1954 auf Betreiben der Ehefrau vom Amtsgericht Berlin-Schöneberg zum 31.12.1945 für tot erklärt.


Hefelmann, Hans

T4, Organisator der Kindereuthanasie

*04.10.1906 Dresden. Diplomlandwirt. 1931 NSDA, auch NS-Kraftfahrkorps. Ab 1936 in der Kanzlei des Führers, Amtsleiter Hauptamt II (Az.IIb). Im Kuratorium der Königin Elena Klinik Kassel. 1948 mit Hilfe von Caritas Internationalis nach Argentinien. 1956 Rückkehr BRD, Geschäftsführer einer Textilfirma in Waging am See. Januar bis August 1960 in Spanien. 1972 dank ärztlicher Gutachten für dauernd verhandlungsunfähig erklärt. gest. 12.04.1986 München (BAL).


Heiden, Josef

Funktionshäftling im KZ Dachau

*25. April 1907 in St. Pölten. Er war zur Zeit des Nationalsozialismus ein Funktionshäftling im KZ Dachau. Er stammte aus dem österreichischen St. Pölten und war seit Mai 1938 in Dachau als politischer Häftling inhaftiert, weil er ursprünglich ein überzeugter Schuschnigg-Anhänger war. Im Dezember 1941 wurde der Funktionshäftling Heiden aufgrund seiner „Verdienste“ aus dem KZ Dachau entlassen und trat selbst in die Waffen-SS ein.

Heiden war Revierkapo im Krankenrevier. Die SS-Ärzte, Anhänger der SS-Rassentheorie, führten beispielsweise medizinische Versuchsreihen durch. Arbeiten wie das Töten von Häftlingen durch Injektionen überließen sie größtenteils Funktionshäftlingen von der Art Heidens, oder den Unteroffizieren des SGD (Unteroffiziere des Sanitätsdienstes der SS). Die einzelnen Abteilungen des Krankenreviers wurden von Oberpflegern geleitet. Heiden hatte die Befugnis diese Oberpfleger zu ernennen. SS-Ärzte behandelten nur einzelne Fälle, die ihnen interessant schienen. Die restliche Arbeiten wurden von Häftlingspflegern verrichtet, die meist noch nie mit Kranken zu tun hatten.

Heiden herrschte über das Krankenrevier, er forderte von Mithäftlingen mehr Ehrenbezeichnungen als SS-Ärzte erwarteten. Wenn er den Raum betrat, musste der Pfleger „Achtung“ rufen und Meldung machen. Die Kranken hatten in sehr ordentlich gemachten Betten in „Habachtstellung“ zu liegen, andernfalls schlug er ihnen mit der Faust ins Gesicht oder verschrieb „Nulldiät“. Heiden versuchte wie die SS-Ärzte chirurgische Eingriffe zu erlernen, beispielsweise führte er an gesunden Häftlingen einige Male Blinddarmoperationen durch. In der Ambulanz des Krankenreviers operierte er Häftlingen einen verwundeten Finger, der auch ohne Amputation hätte heilen können. Dies geschah mehrmals, in Gegenwart der Pfleger und anderer Patienten.

Heinrich Stöhr beschrieb nach Kriegsende als Zeuge im Prozess Dachau folgenden Ablauf: Häftlinge aus dem Lazarett, als Simulanten betitelt, verprügelte Heiden zuerst sehr stark, trat sie mit Füßen. Anschließend brachte er sie in das provisorische Duschbad zwischen Block 1 und Block B. Hier wurde die Person in einer Wolldecke 3–4 Stunden unter die kalte Dusche gelegt, erlitt Fieber und Schüttelfrost bis zum Tod. Leichenträger trugen die Personen später hinaus. Der SS-Sanitätsdienstgrad Anton Endres assistierte Heiden oft im Bad.

Am selben Ort ermordete Heiden Patienten, die er als Schwerstkranke ausgesucht hatte, durch Phenolinjektionen. Ebenso tötete er gesunde Häftlinge auf Befehl der Gestapo oder der Lagerleitung. Heiden führte als Henker Exekutionen am Galgen durch, ein SS-Arzt bestätigte dann den Tod. Der nachfolgende Revierkapo Zimmermann bezeugte nach Kriegsende vor Gericht, dass Heidens Funktion als Henker ein offenes Geheimnis im Krankenrevier war.

Im Krankenrevier wurde eine Vorauswahl bei den Patienten getroffen. Eine weitere Absonderung arbeitsunfähiger Häftlinge aus den Arbeitsblöcken wurde am Appellplatz durchgeführt, indem diese Häftlinge nackt an einer Gruppe von Lagerärzten vorbeigingen. Heiden selektierte mit einer Handbewegung Häftlinge aus: die mit sichtbaren körperlichen Gebrechen, abgemagerte oder grauhaarige Häftlinge sowie diejenigen, die einen Verband trugen oder denen das Laufen schwerfiel. Schreiber notierten die jeweiligen Häftlingsnummern. Die Ausgesonderten wurden später zur Selektion den „Gutachtern“ vorgeführt und zum Teil nach Mauthausen transportiert.

Der ehemalige Häftling Stanislav Zámečník beschrieb, wie er im Februar 1941 bei der Aufnahmeprozedur im Lager das erste Mal auf Heiden traf:„Das Verhalten eines Funktionärs aus den Reihen der Häftlinge deprimierte uns viel mehr als die Brutalität der SS. (…) Der Pförtner holte einen Mann von einer wahren Herkulesgestalt in einem weißen Kittel herbei. Dieser stellte eine Frage, wurde dann rot vor Wut und schlug den von seinen Mithäftlingen Herbeigeschleppten mit aller Kraft ins Gesicht. Als dieser zu Boden fiel, begann der Mann im weißen Kittel völlig außer sich auf den am Boden liegenden Körper einzutreten und etwas von Simulanten zu schreien. Es war grässlich, mit ansehen zu müssen, wie ein Sterbender zu Tode geschlagen wurde. Mit Entsetzen bemerkte ich, dass der mordende Sadist kein SS-Mann war, denn seine Beine, mit denen er die Tritte austeilte, steckten in gestreiften Häftlingshosen. Dies war meine erste Begegnung mit dem Revierkapo Josef Heiden, dem Herrn über Leben und Tod der Kranken in Dachau, einem abartigen Menschen der hier, unter dem Patronat der SS, seine perversen Triebe öffentlich befriedigen konnte.

Sein Verbleib nach 1945 ist unbekannt.


Helldorf, Wolf-Heinrich Graf von

SA-Obergruppenführer und General der Polizei

*14.10.1896 Mersburg. Diverse Freikorps. 1920 Teilnehmer Kapp-Putsch. Ab 1924 NSDAP-MdL Preußen, 1932 Fraktionsvorsitzender. 1932 MdR. 1933 Führer von SA und SS in Berlin-Brandenburg, Polizeipräsident Potsdam. Vizepräsident der Boxsportbehörde Deutschlands (Führerlexikon). 1935 Polizeipräsident Berlin. Goebbels am 02.07.1938 im Tagebuch: „Helldorf will in Berlin ein Judenghetto errichten. Das sollen die reichen Juden selbst bezahlen.“ Als Lebemann oft in Geldnöten, verhängte er eine Paßsperre für Juden mit Vermögen über 300 000 Reichsmark und erteilte die Ausreise erlaubnis gegen gigantische Zwangsspenden, genannt Helldorf-Spenden. Verhaftung nach Attentat auf Hitler im Juli 1944. Hinrichtung am 15.08.1944.


Hering, Gottlieb

SS-Hauptsturmführer – T4

*02.06.1887 Wambronn. Mai 1933 NSDAP. Kriminalkommissar der Kripo Stuttgart. Ab 1940 Standesbeamter zur Falschbeurkundung des Krankenmords in verschiedenen Vergasungsanstalten. August 1942 Kommandant Belzec, SS-Hauptsturmführer. 1943 Leiter des Lagers Poniatowa, Ermordung von 14 000 Juden am 04.11.1943 (Tarnwort Aktion Erntefest). Laut Himmler einer der verdientesten Männer der Aktion Reinhard. Zuletzt Kommandant des KZ San Saba in Trist. gest. am 09.10.1945 Stetten/Remstal.


Heß, Rudolf

Stellvertreter des Führers (StdF)

*26.04.1984 Alexandria in Ägypten als Kaufmannssohn. 1919 Freikorps Epp, 1920 NSDAP. 1923 Teilnehmer Hitlerputsch, 7 Monate Festungshaft in Landsberg, Assistent bei Niederschrift von Mein Kampf. 1925 Assistent Karl Haushofers im Rahmen der Deutschen Akademie. Ab 1925 Privatsekretär Hitlers, Anrede „mein Füher“. NSDAP-Reichsleiter (Hitler direkt unterstellt), SS-Obergruppenführer. April 1933 Ernennung zum StdF, von Hitler ermächtigt, „in allen Fragen der Parteileitung in meinem Namen zu entscheiden“. Reichsminister ohne Geschäftsbereich. Die Dienststelle StdF mit Sitz im Braunen Haus in München wirkte ab dem 27.07.1934 an allen gesetzgeberischen Maßnahmen mit und hatte ab dem 24.09.1935 Mitbestimmungsrecht bei Beamteneinstellungen. Heß war der einflußreichste Förderer der Neuen Deutschen Heilkunde, Motto (MMW 1939,S.1522): „Ein gesundes Volk siegt!“ Am 10.05.1941 mit Jagtflugzeug in Großbritannien gelandet, um England als Verbündeten zu gewinnen und die Absetzung Churchills zu erreichen. Von Briten interniert, von Hitler für verrückt erklärt. Goebbels am 14.05.1941 im Tagebuch:“So ein Narr war der nächste Mann nach dem Führer.“ Am 01.10.1946 im Nürnberger Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher (Internationales Militär-Tribunal) zu lebenslang Haft verurteilt. Schlußwort im Prozeß (Maser,S.472):“Es war mir vergönnt, viele Jahre meines Lebens unter dem größten Sohne zu wirken, den mein Volk in seiner tausendjährige Geschicht hervorgebracht hat.“ Suizid am 17.08.1987 im Kriegsverbrechergefängnis Berlin-Spandau. Lit.: Longerich.


Heydrich, Reinhardt

Chef der Sicherheitspolizei und des SD.

*07.03.1904 Halle als Sohn eines Musikdozenten und Wagnerverehrers. 1918 Deutsch-nationaler Jugendbund, 1920 Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund, Freikorps Märker in Halle. 1922 Reichsmarine, 1928 Oberleutnant. 1931 aufgrund eines gebrochenen Heiratsversprechens wegen »Unwürdigkeit« verabschiedet, NSDAP/SS Juli 1931 von Himmler mit dem Aufbau eines SS-Geheimdienstes beauftragt, Juli 1932 Leiter des Sicherheitsdienstes (SD). Am 09.11.1933 Chef des SD-Hauptamts als fünftes Hauptamt der SS. Am 26.08.1936 Chef der Sicherheitspolizei (Sipo) und deren Anteilung Geheime Staatspolizei (Gestapo) und Kriminalpolizei (Kripo). Am 27.09.1939 Zusammenschluß von SD und Sipo im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) unter Heydrich, 1940 an der Formulierung eines geheimen Euthanasie-Gesetzes beteiligt. Ließ sich am 31.07.1941 von Göring nachträglich den Befehl zur »Endlösung« schriftlich erteilen. Ab 27.09.1941 zusätzlich Stellv.Reichsprotektor Böhmen und Mähren. Leiter der Wannseekonferenz am 20.01.1942 über die Endlösung der Judenfrage, Titel: Beauftragter für die Endlösung der europäischen Judenfrage. Heydrich, SS-Obergruppenführer und General der Polizei, lenkte die Einsatzkommandos zur Ausrottung der polnischen Intelligenz wie den Massenmord an den Juden. Am 27.05.1942 in Prag bei einem Attentat tschechischer Agenten schwer verwundet. gest. 04.06.1942 an den Folgen des Attentats. Witwe Lina Heydrich, die auf ihrem Sitz Jungfern-Breschan (Böhmen und Mähren) KZ-Häftlige beschäftigte, wurde 1956 vom Landessozialgericht Schleswig die »volle Pension des verstorbenen Reichsprotektors« zugesprochen.


Himmler, Heinrich

Reichsführer-SS (RFSS) und Chef der Deutschen Polizei, Hitler persönlich unterstellt.

*07.10.1900 München. Diplomlandwirt. In den Freikorps Oberland, Reichsflagge und Reichskriegsflagge, 1923 Teilnehmer Hitlerputsch. 1925 NSDAP-Geschäftsführer Gau Niederbayern, stellv. Gauleiter und Propagandaobmann Oberbayern-Schwaben. SS-Nr. 168. Ab 06.01.1929 RFSS (Führerlexikon), 1933 Polizeipräsident München. April 1934 stellv. Gestapochef Preußen. Betreiber der Ermordung des SA-Chefs Röhm, nach dessen Ermordung am 25.07.1934 die SS erstmals eine eigenständige und dominierende Organisation wird. Ab 17.06.1936 Titel RFSS und Chef der Deutschen Polizei, ab dem 07.10.1939 zugleich Reichskommissar für die Festigung Deutschen Volkstums (RKF), zuständig für die Germanisierung und »Umvolkung« in den besetzten Ostgebieten (Himmler: „Der Osten gehört der SS“). 12.02.1943 Besichtigung von Sobibor und Begaffer einer Vergasung von etwa 200 ausgesuchten Jüdinnen (8 Js 1145/60 StA Wiesbaden). Am 25.08.1943 zusätzlich Reichsinnenminister. Himmler am 04.10.1943 auf der SS-Gruppenführertagung in Posen zur »Ausrottung des jüdischen Volkes«: „Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben und dabei – abgesehen von Ausnehmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht. Dies ist ein niemals geschriebenes und niemals zu beschreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte“. 1944 zusätzlich Befehlshaber des Ersatzheeres, ab 01.10.1944 auch für die Internierung sämtlicher Kriegsgefangener zuständig. April 1945 Enthebung von allen Ämtern und Parteiausschluß, da Hitler von Himmlers Geheimverhandlungen wegen eines Waffenstillstands gegenüber den Westmächten erfahren hatte. Am Kriegsende bei der Geschäftsführenden Regierung Dönitz in Flensburg. Fluch unter dem Namen Heinrich Hitzinger. gest. durch Suizid mit Zyankali am 23.05.1945 in brit. Haft in Lüneburg.


Hitler, Adolf

Führer und Reichskanzler, ab 04.02.1938 auch Oberbefehlshaber der Wehrmacht.

*20.04.1925 kam als Sohn eines österreichischen Zolloberamtsoffizials in Braunau am Inn zur Welt. Den Besuch der Realschule brach er ohne Abschluß ab, 1907 und 1908 bewarb er sich erfolglos an der Wiener Kunstakademie, lebte dann als Postkartenmaler ziellos in Wien, ab 1913 in München.

1914 Kriegsfreiwilliger in der bayerischen Armee, verwundet und Ende November 1918 nach München entlassen, wurde der Gefreite als V-Mann von der Reichwehr bei politischen Versammlungen eingesetzt. Dabei lernte er 1919 die rechtsextreme Splittergruppe „Deutschen Arbeiterpartei“ kennen, trat ein (Mitglied Nr. 55) und machte sich als Redner unentbehrlich. Am 29.07.1921 wurde er zum Vorsitzenden der in NSDAP umbenannten Partei mit diktatorischer Vollmacht gewählt. Wegen des Putschversuches am 9. November 1923 zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, von denen er nur ein halbes Jahr in Landsberg/Lech absitzen muß, stilisiert er sich zum nationalen Märtyrer und diktiert in der Haft den ersten Band des Buches „Mein Kampf“, das als Programmschrift der 1925 wiedergegründeten NSDAP dienst. Während die Splittergruppe am äußersten Rand in Wahlen allmählich Bedeutung gewinnt (1927 sieben Reichstagsabgeordnete), festigt Hitler innerhalb der Partei seinen absoluten Führungsanspruch und unterbindet jede Programmdiskussion. Der Gruß „Heil Hitler“ wird 1926 in der NSDAP verbindlich (ab 1933 ohne rechtliche Vorschrift als „Deutscher Gruß“ allgemein angewendet, nach dem 20.Juli 1944 als militärische Ehrenbezeugung bei der Wehrmacht eingeführt). Im Februar 1932 erhält Hitler durch die Ernennung zum Regierungsrat bei der braunschweigischen Gesandtschaft in Berlin die deutsche Staatsangehörigkeit.

Am 30.01.1933 ist Hitler am Ziel, er wird zum Reichskanzler berufen. In kurzer Zeit gelingt es ihm und seine Helfer, alle rechtsstaatlichen Instanzen auszuschalten und alle Hindernisse unumschränkter Alleinherrschaft zu beseitigen. Die Vereinigung der Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers im August 1934 zementiert die absolute Diktatur Hitlers.

Seine ideologischen Positionen waren, als er 24jährig nach München kam, festgelegt; die „Weltanschauung“ aus sozialdarwinistischen und biologistischen, extrem nationalistischen und völkischen Elementen zusammengesetzt, erfuhr keine Entwicklung mehr. Die in der Donaumonarchie vor dem Ersten Weltkrieg verbreiteten Modernisierungsängste bestimmten ebenso wie radikale Judenfeindschaft das von alldeutschen und imperialistischen Ideen bestimmte Weltbild.

In der Krise nach dem Ersten Weltkrieg konnte sich Hitler erst kleinbürgerlichen Unzufriedenen, dann einem orientierungslos gewordenen deutschen Bürgertum dank seiner Rednergabe, seiner skrupellosen Demagogie und durch monokausale Welterklärungen als politischer Erlöser darstellen. Sein politisches Glück bei der Überwindung der Arbeitslosigkeit, die außenpolitischen Erfolge in den dreißiger Jahren und die anfänglichen Siege im Zweiten Weltkrieg bewirkten seinen Nimbus als „Führer“; seine Rolle als nationale Integrationsfigur blieb bis in die Niederlagen unangefochten.

gest. durch Suizid am 30.04.1945 in Berlin


Hofmann, Otto

SS-Obergrüppenführer (1943) und Generalleutnant der Polizei

*16.03.1896 Innsbruck. Leutnant im I.Weltkrieg. Freikorps. 1923 erstmals NSDAP. Ab 1925 in der Firma seines Schwiegervaters, eines Weinhändlers. 1931 SS, ab 1933 hauptamtlich. Juli 1940 bis April 1943 Chef des Rasse- und Siedlungshauptamts (RuSHA) der SS. Teilnehmer der Wannseekonferenz am 20.01.1942 über die Endlösung der Jugenfrage. Mitherausgeber der 1939 vom SS-Ahnenerbe übernommenen Zeitschrift. Der Biologe. April 1943 Höherer SS- und Polizeiführer Südwest in Stuttgart. 1944 Goldenes Parteiabzeichen. Im RuSHA-Prozeß am 10.03.1948 zu 25 Jahren Haft verurteilt, Entlassung Landsberg 07.04.1954. gest. am 31.12.1982 Bad Mergentheim. Lit.: Pätzold.


Holzlöhner, Professor Dr.Ernst

stellvertretender Gaudozentenführer von Schleswig-Holstein und SS-Sturmbannführer

*23. Februar 1899 in Insterburg (Ostpreußen) Holzlöhner war Privatdozent und Oberarzt bei Wilhelm Trendelenburg am Physiologischen Institut der Universität Berlin. 1932 wurde er zum nichtbeamteten a.o. Professor ernannt. 1933 trat er der NSDAP bei und wurde Dozentenschaftsleiter an der Berliner Universität. Später wurde Holzlöhner SS-Sturmbannführer. Im Jahr 1934 erhielt Holzlöhner eine ordentliche Professur für Physiologie an der Universität Kiel. Während dieser Zeit wurde er Dozentenbundführer an der Universität Kiel und stellvertretender Gaudozentenführer von Schleswig-Holstein. Zusammen mit seinen Assistenten Sigmund Rascher und Erich Finke führte er im KZ Dachau ab August 1942 Unterkühlungsversuche im Auftrag der Luftwaffe durch, bei denen Gefangene gezielt unterkühlt wurden, um sie anschließend mit verschiedenen Methoden wieder zu erwärmen. Bei der Tagung über Ärztliche Fragen bei Seenot und Wintertod am 26. und 27. Oktober 1942 referierte er über die Ergebnisse der Kälteversuche. Im April 1945 wurde Holzlöhner zum Rektor der Universität Kiel ernannt. Holzlöhner wurde nach Kriegsende von britischen Soldaten gefangen genommen und verhört. Nach den Verhören beging er im Juni 1945 Suizid.


Hoppe, Paul-Werner

SS-Hauptsturmbannführer, KZ-Kommandant

*28.02.1910 Berlin. 1932 NSDAP, 1933 SS. 1936 Zugführer der Wachmannschaft KZ Lichtenburg bei Torgau, Adjutant des Führers der 1.Totenkopfstandarte Dachau. Ehefrau Charlotte Tochter des KZ-Kommandanten Baranowski. 1938 im Stab Führer der SS-Totenkopfverbände – Konzentrationslager in Oranienburg. Ab 01.09.1942 Kommandant KZ Stutthof. Herbst 1944 Umbau eines Eisenbahnwaggons als Gaskammer. 1949 Flucht aus Internierungshaft in die Schweiz. 1952 Rückkehr BRD. Am 04.06.1957 vom LG Bochum zu 9 Jahren Haft verurteilt. gest. am 15.07.1974 Bochum. Lit.: Konzentrationslager.


Höppner, Rolf-Heinz

SS-Obersturmbannführer (1944) in Himmels Sicherheitsdienst (SD)

*24.02.1910 Siegmar in Sachsen. Gauamtsleiter für Volkstumsfragen in Posen. Leiter der Umwandererzentrale Posen, laut Ehlich zuständig für die „Absiedlung“ der Fremdvölkischen (4 Js 1017/59 OStA Ffm.). Am 16.07.1941 an Eichmann (Massentötungen): „Es besteht in diesen Winter die Gefahr, dass die Juden nicht mehr sämtlich ernährt werden können. Es ist ernsthaft zu erwägen, ob es nicht die humanste Lösung ist, die Juden, soweit sie nicht arbeitseinsatzfähig sind, durch irgendein schnellwirkendes Mittel zu erledigen.“ Gruppenführer im Reichssicherheitshauptamt (III A, Rechtsverwaltung und Volksleben), Juli 1944 Amtschef. 1947 Auslieferung an Polen. Todesurteil 15.03.1949 (BAL). 1951 Hinrichtung (Wildt).


Höß, Rudolf

Kommandant von Auschwitz

*25.11.1900 Baden-Baden. war  deutscher Nationalsozialist, SS-Obersturmbannführer und von Mai 1940 bis November 1943 Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz. Er wurde als Kriegsverbrecher 1947 zum Tode durch den Strang verurteilt und im Stammlager hingerichtet.Sein Vater, der Kaufmann Franz Xaver Höß, wollte, dass er katholischer Priester werde. Nach dem Tod seines Vaters blieb Höß in der Schule sitzen und meldete sich im Alter von 15 Jahren während des Ersten Weltkrieges freiwillig zur Armee. Er wurde bereits im Alter von 17 Jahren als Unteroffizier mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse ausgezeichnet wurde.1919 schloss Höß sich dem Freikorps Roßbach an und nahm an einigen Kämpfen teil, danach versuchte er erfolglos sich eine Zeit lang als Tagelöhner durchzuschlagen, doch scheiterte im beruflichen Leben, bis er auf die NSDAP aufmerksam wurde. Höß trat der NSDAP im November 1922 (Mitgliedsnr. 3240) bei. Ein Jahr später war er am „Fememord” an Walter Kadow beteiligt. Einer seiner Komplizen war sein späterer Förderer Martin Bormann. Einer der Beteiligten Mörder, zeigte alle an. Höß wurde verhaftet und zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Bereits 1928 kam er aufgrund einer Amnestie wieder vorzeitig frei. In den folgenden Jahren betätigte sich Höß in Ahlen-Vorhelm in der Landwirtschaft und gehörte als Führungsperson verschiedenen auf die Landbevölkerung zugeschnittenen Nazibünden, wie zum Beispiel dem Bund der Artamanen, an. In der Zeit begegnete er zum ersten Mal Heinrich Himmler.Am 17. August 1929 heiratete er Hedwig Hensel (1908–1986). Aus der Ehe gingen zwischen 1930 und 1943 fünf Kinder hervor: Ingebrigitt, Klaus, Hans-Rudolf, Heidetraut und Annegret.Am 20. September 1933 trat Höß in die allgemeine SS (Mitgliedsnr. 193.616) ein. 1934 forderte Himmler ihn nach seiner Angabe auf, der Totenkopf-SS beizutreten. Ab diesem Jahr wurde er als Blockführer und ab April 1936 als Rapportführer im KZ Dachau eingesetzt. Im August 1938 wurde er Adjutant des Lagerkommandanten im Konzentrationslager Sachsenhausen und ab November 1939 dortiger Schutzhaftlagerführer im Rang eines SS-Hauptsturmführers. Im Mai 1940 erfolgte seine Versetzung als Lagerkommandant ins Konzentrationslager Auschwitz. Am 1. März 1941 wurde Höß von Himmler der Befehl zum Aufbau des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau gegeben. Im Sommer 1941 wurde er zu Himmler nach Berlin befohlen. Himmler erklärte ihm, dass der Führer die „Endlösung der Judenfrage“ befohlen habe, und er diese Aufgabe auszuführen hätte.Höß leitete die um den Jahreswechsel 1941/1942 beginnende Vernichtung der Juden. Diese wurden in zwei provisorisch zu Gaskammern umgebauten Bauernhäusern umgebracht. Ende 1942 wurde mit dem Bau von vier großen Krematorien mit Gaskammern begonnen, die ab März 1943 für die Massenermordungen genutzt wurden. Im November 1943 teilte der Obergruppenführer Oswald Pohl (WVHA) die zentrale Kommandantur der Konzentrationslager Auschwitz auf. In diesem Zuge wurde Höß am 10. November 1943 mit der Wahrnehmung der Geschäfte der Amtsgruppe D im SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS (WVHA) betraut und dazu nach Berlin berufen. Am 1. Mai 1944 wurde er zum Chef des Amtes D I im WVHA ernannt. Von Mai bis Juli 1944 war Höß im Auftrag des WVHA als Standortältester erneut im KZ Birkenau, um für den reibungslosen Ablauf der Vernichtung der ungarischen Juden zu sorgen.Im Mai 1945 tauchte er unter und gab sich unter dem Namen „Franz Lang” als Maat der Marine aus, bis er am 11. März 1946 von der britischen Militärpolizei auf einem Bauernhof in der Nähe von Flensburg festgenommen wurde. Im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess sagte er als Zeuge der Verteidigung von Ernst Kaltenbrunner, und anschließend im Prozess Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS als Zeuge gegen den Leiter des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes, Oswald Pohl, aus.Am 25. Mai 1946 wurde Höß an Polen ausgeliefert und unter Richter Jan Sehn vor Gericht gestellt. Während des Prozesses trug er durch seine Aussagen zur Klarstellung vieler historischer Fragen bei. Er verstand angeblich bis zum Schluss nicht, warum er zur Rechenschaft gezogen wurde, da er nur Befehle ausgeführt habe. Am 2. April 1947 wurde Höß in Warschau zum Tode verurteilt und vierzehn Tage später vor seiner ehemaligen Residenz in Auschwitz gehängt.


Hugenberg, Alfred

„Steigbügelhalter“ Hitlers

*19.06.1865 Hannover. 1909-1918 Vorstandsvorsitzender der Friedrich Krupp AG, dann Aufbau eines Presse- und Filmimperiums, Inhaber der Universum Film AG (Ufa), der größte Film- und Wochenschaufabrik. 1928 bis zur Auflösung 1933 Vorsitzender der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Versuchte Hitler für seine Zwecke zu benutzen. Januar 1933 Reichswirtschafts- und Ernährungsminister im ersten Kabinett Hitlers. Am 27.06.1933 zum Rücktritt gezwungen, bis zum Ende MdR als Gast der NSDAP. 1937 Verkauf der Ufa. Gest. am 12.03.1951 Kükenbruch bei Rinteln.