Das Konzentrationslager Mauthausen

Das Konzentrationslager Mauthausen

 

Das Hauptlager und sein Entstehen

Das Konzentrationslager Mauthausen in Österreich, mit seinen 52 Nebenlagern war eine Vernichtungsmaschinerie der besonderen Art. Diese war so vielfältig, dass sie in komplexer Form kaum zu ertragen ist. Darum habe ich verschiedene Themenkreise zu diesem Lager entwickelt. Hier wird über die Gründung und den Aufbau des Hauptlagers berichtet.
 
Am 22. März 1938, zehn Tage nach dem Anschluss Österreichs, kündigte Himmler in Linz an:
 
„Der Führer hat genehmigt und befohlen, dass die Schutzstaffel Österreichs zwei Standarten aufstellen darf, eine Standarte der Verfügungstruppe mit 3 Sturmbannen und eine Standarte der Totenkopfverbände mit ebenfalls drei Sturmbannen, welche letztere nach Oberösterreich kommen werden“
 
Dies war zwar nur eine indirekte Ankündigung der Errichtung des Konzentrationslagers, weil zu diesem Zeitpunkt die Totenkopfverbände der SS ausschließlich in den Konzentrationslagern eingesetzt waren; aber ebenfalls noch im März 1938 gab Gauleiter August Eigruber bekannt:
 
„Wir Oberösterreicher erhalten aber noch eine andere, besondere Auszeichnung für unsere Leistungen während der Kampfzeit. Nach Oberösterreich kommt das Konzentrationslager für die Volksverräter von ganz Österreich.“
Im August 1938, fünf Monate nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich, wurde in der Nähe der oberösterreichischen Kleinstadt Mauthausen von der SS ein Konzentrationslager errichtet.Die Gründe für die Errichtung lagen in der Absicht der SS ein spezielles Männer-Konzentrationslager für den österreichischen Raum einzurichten sowie größere Haftraumkapazitäten für den geplanten Krieg zu schaffen. Als Standort wurde Mauthausen deshalb ausgewählt, weil sich dort Granitsteinbrüche befanden. Die von der SS gegründete Firma DESt, die mit der Produktion von Baumaterial beauftragt war, sollte diese Steinbrüche erwerben und wirtschaftlich nutzen. Die KZ-Häftlinge sollten als billige Arbeitskräfte in den Steinbrüchen eingesetzt werden. Das Konzentrationslager erfüllte für die SS zwei Funktionen: die Bekämpfung des politisch-ideologischen Gegners, indem man ihn einsperrte, folterte und tötete,und damit auch nach außen hin Schrecken verbreitete, und die maximale Ausbeutung seiner Arbeitskraft. Bis zum Jahr 1943 stand die Vernichtung des „Gegners“ jedoch immer im Vordergrund.
Das Konzentrationslager Mauthausen war aus nicht bekannten Gründen das einzige Konzentrationslager der Kategorie III auf dem Gebiet des Reiches. Die Kategorie III bedeutete Vernichtung durch Arbeit. Ein Grund dafür kann die isolierte Lage des Lagers an den Steinbrüchen sein. Wörtlich heißt es in dem Erlass von Reinhard Heydrich (Chef der Sicherheitspolizei, des SD und SS-Obergruppenführer), die Lagerstufe III sei „…für schwer belastete, unverbesserliche und auch gleichzeitig kriminell vorbestrafte und asoziale, das heißt kaum noch erziehbare Schutzhäftlinge Mauthausens“.
 
 
Insgesamt waren im Konzentrationslager 197.464 Häftlinge inhaftiert, von denen ungefähr 100.000 ermordet wurden bzw. starben.
 
Etwa 120.000 Häftlinge kamen so durch Zwangsarbeit in den unzähligen Kommandos und Nebenlagern des Lagers um oder wurden ermordet. Mehr als 1/3 davon in den nahe gelegenen Konzentrationslagern Gusen. Das Konzentrationslager besaß 52 „Nebenlager“, die größten waren in Gusen Melk.
Die Aufgabe der ersten Häftlinge war es, die ersten 4 Baracken zu bauen und im Steinbruch zu arbeiten. Einige Monate später hatte das Lager schon 14 Baracken und ein Großteil der Häftlinge wurde im Steinbruch eingesetzt.
Das Lager wurde später in drei Teile geteilt: Lager I, II und III:
Als erstes wurde das Lager I errichtet. Diese ersten 20 Baracken wurden in den Jahren 1938 bis 1940 erbaut. Lager II bestand aus den Baracken 21 bis 24 und wurde im Jahre 1941 gebaut und Lager III bestand nur aus 6 Baracken und wurde im Frühjahr 1944 erbaut.
Außerdem gab es noch das absichtlich irreführend so genannte Krankenlager das sich südlich des Lagers I befand. Dieses Krankenlager wurde zunächst auch „Russenlager“ genannt, da es im Oktober 1941 eigentlich für sowjetische Kriegsgefangene gebaut wurde. Dieser Lagerteil bestand aus 10 Baracken. Am 14. März 1943 wurden 684 Kranke aus dem Sonderrevier in das „Russenlager“ verlegt. Nun diente es als Sterbeasyl, das regelmäßig durch Selektionen oder durch „Aktionen“ zur Aufnahme weiterer ausgemergelter und kranker Gefangener vorbereitet wurde. Im Frühjahr 1944 wurden im Hauptlager 9 000 Häftlinge gezählt, von denen fast die Hälfte im Sanitätslager unversorgt vegetierten. Ende Januar 1945 kamen die meisten aus dem KZ Auschwitz und im Laufe des Februars aus Groß-Rosen und Sachsenhausen „evakuierten“ Gefangenen in das Sanitätslager. Die Ankunft der evakuierten Häftlinge aus den Wiener Lagern und der Niederdonau im April verschärften die Situation noch einmal. Im Keller des Reviers wurde ein dritter Verbrennungsofen in Betrieb genommen.
 
Neben dem Krankenlager gab es auch noch das Zeltlager, das sich nördlich des Lagers I befand. Es bestand aus sechs großen und acht kleinen Militärzelten und wurde im Dezember 1944 bezogen und gehörte bis zum 8. April 1945 zum Hauptlager.
Des Weiteren existierte ein Arrestgebäude, das 1939 bis 1940 erbaut wurde und 33 Zellen von je 5,4 m² beinhaltete. Dann gab es noch das so genannte Revier, ein Steingebäude im Lager II, das nicht vollendet, jedoch dessen linke Hälfte aber im Jahre 1944 bezogen werden konnte.
 
Als letztes gab es noch die Wäscherei- und Küchenbaracken, die in den Jahren 1938 bis 1941 erbaut wurden. Eine Normal-Baracke im Lager war 52,61 Meter lang und 8,22 Meter breit. Außerdem war sie in zwei Teile eingeteilt: Stube „A“ links und Stube „B“ rechts. Jede Stube bestand aus zwei Zimmern, den Aufenthaltsräumen und einem Schlafraum. Die meisten Häftlinge durften sich allerdings nur im Schlafraum aufhalten, da der Aufenthaltsraum den Häftlingsfunktionären auch als Schlafraum vorbehalten war.
Das Hauptlager wurde durch eine 2,5 Meter hohe Umfassungsmauer mit einer Länge von 1.668 Metern gesichert. Gekrönt wurde die Mauer durch einen elektrisch geladenen Zaun mit 380 Volt. Die Ausnahme war der nördliche Teil von Lager I, wo an der Rückfront der Baracken 5, 10 und 15 nur elektrischer Zaun war. Das Krankenlager hatte zur Sicherung einen doppelten Stacheldrahtzaun, der mit Starkstrom geladen war. Die Gesamtfläche der Lager I, II und III betrug, mit dem Appellplatz zusammen, etwa 25.000 m², das Krankenlager hatte ungefähr eine Größe von 15.000 m² und das Zeltlager von 16.000 m².

Ab dem Jahr 1943 kam es auf Grund der verstärkten Rüstungsbemühungen und später der Verlagerung der Rüstungsindustrie in unterirdische Anlagen zu einer Funktionserweiterung des Konzentrationslagers. Die Mehrzahl der Häftlinge wurde von nun an zur Zwangsarbeit in Rüstungsbetrieben herangezogen. So entstanden neben dem Hauptlager in Mauthausen und dem Lager in Gusen zahlreiche, über ganz Österreich verteilte Außenlager.

Fast 200.000 Menschen aus fast allen europäischen und auch außereuropäischen Ländern wurden entweder auf Grund ihrer politischen Tätigkeit, ihrer „kriminellen Vorstrafen“, ihrer religiösen Überzeugung, ihrer Homosexualität, aus „rassischen“ Gründen oder als Kriegsgefangene nach Mauthausen deportiert. Die Hälfte von ihnen wurde hier ermordet.

Die Leiden der Menschen im Konzentrationslager Mauthausen

Hier geht es um die unerträglichen Qualen der zusammengepferchten Häftlinge…..

Der Alltag, von dem wir nur eine Ahnung bekommen können …
Der Arbeitseinsatz betrug immer 11 Stunden. Geweckt wurden die Häftlinge um 4:45 Uhr im Sommer und im Winter um 5:15 Uhr. Jeden Morgen spielte sich dann die gleiche Prozedur ab:
 

Die Häftlinge mussten sofort aufstehen und ihre Betten perfekt machen, dann schnell anziehen und für die Toiletten und das Bad anstehen (8 Toiletten und 5 Minuten Zeit für 250 bis 600 Häftlinge), danach schnell den Spind ordnen und danach wieder anstehen – dieses Mal für das Essen. Danach erfolgte vor den Baracken die Formierung des Zuges für den Zählappell. Dieser war immer gleich: In Zwanzigerreihen barackenweise rechts und links geordnet warteten die Häftlinge auf dem Appellplatz auf das Erscheinen der SS-Leute. Nach einem Rapport und einem „Mützen ab, Mützen auf“ war der Appell beendet und vom Lagerältesten kam der Ruf: „Arbeitskommando formieren“. Nach kurzer Zeit konnten dann die Kolonnen zu ihren jeweiligen Arbeitsstätten marschieren. Bis Frühjahr 1944 erfolgten täglich drei Zählappelle, jeweils am Morgen, am Nachmittag und ein letztes Mal am Abend. Danach gab es dann nur noch zwei, morgens und abends. Die Häftlinge, die in den Werkstätten und innerhalb des Hauptlagers ihren Arbeitseinsatz verrichteten, mussten auch weiterhin mittags zum Appell antreten, außer dem Bedienungspersonal, das in den SS-Unterkünften und Revieren arbeitete. Abends, nach der Rückkehr der Häftlinge von der Arbeit, und je nach Jahreszeit, ab 18:00 Uhr oder ab 19:00 Uhr, fand dann der Abendappell statt. Dieser Appell wurde immer exakt ausgeführt, da die dafür benötigte Zeit von der Freizeit der Häftlinge abgezogen wurde. Wenn es gut ging, dauerte der Appell nur 30 Minuten, manchmal aber auch 1 bis zwei Stunden und in Sonderfällen, wie z. B. einer Hinrichtung oder Flucht, bis zu 3 Stunden.

Durchgängiges Merkmal aller Lagersituationen ist der Versuch der Täter, die hier eingesperrten Menschen aus dem Geltungsbereich der Menschenwürde auszuschließen. Sowohl in den Augen der SS als auch in ihrer Selbstwahrnehmung sollten sich die Häftlinge kein Menschsein und kein Lebensrecht mehr zusprechen dürfen. Durch Abschneiden der Haare, Uniformierung, Reduktion auf Häftlingskategorie und Nummer, Entzug persönlicher Gegenstände, Hunger, körperliche und seelische Misshandlung, unberechenbare Gewaltausübung und ständige Todesdrohung wurden Identität und Selbstachtung vieler Häftlinge gebrochen. In ihrer äußeren Erscheinung wurden sie dem würdelosen Zustand gleichgemacht, den die Täter für sie voraussetzten. Anhand von Stationen des Lageralltags, z.B. Ankunft, Haare schneiden im Duschraum, Zählappell, Verhältnisse in der Häftlingsbaracke, Lagerstrafen ist der Prozess der Entwürdigung zu verfolgen. Begleitet wurde er vom zynischen Sprachgebrauch der SS, der sich in Ausdrücken wie „Fallschirmspringer“ (Häftlinge, die eine Felswand im Steinbruch hinunter gestoßen wurden), „Badeaktion“ (Morde im Duschraum) oder „Hasenjagd“ (Jagd auf Geflüchtete) niederschlug. Für die Täter beseitigte die ideologisch und sprachlich mobilisierte Entwürdigung der Opfer jede Hemmung der Gewalt.
 
 
Auch wenn wir uns des Leid der Menschen damals bewusst sind, so werden wir dessen Ausmaß nie wirklich erfassen können.
Der Alltag im Lager war so ausgelegt, dass er den Häftling „zerstörte“, ihm seine Würde raubte und ihn so stark quälte wie möglich. Die Häftlinge mussten sich jedem Befehl unterordnen und die SS-Männer hatten eine unerschöpfliche Phantasie, was das „Zerstören“ und Demütigen der Häftlinge anging. Die Häftlinge mussten z. B. stundenlang strammstehen oder in der Nacht 10 bis 20 Mal aus den Fenstern springen und sich im Dreck wälzen und danach ihre Kleider waschen.
 
Während der Mauthausener Typhus-Epidemien 1940-1941 wurden jeden Abend schikanöse Lauskontrollen durchgeführt. Oft wurde ein Häftling einfach erschlagen oder ertränkt, wenn er Läuse hatte. Kaum drastischer konnte die Aufschrift der in den Mauthausener Baracken angeschlagenen Plakate (auf gelbem Grund eine große schwarze Laus) praktiziert werden: Eine Laus dein Tod (im Vernichtungslager Auschwitz war dies an Wände geschrieben).
Zu den besonders schweren Grausamkeiten gehörte die so genannte Todesstiege, eine Steintreppe, die den Steinbruch „Wiener Graben“ mit dem eigentlichen Konzentrationslager Mauthausen verband. Die Beteiligten des Steinträgerkommandos schleppten mehrmals täglich Granitblöcke über die insgesamt 186 Stufen der Treppe 31 Meter nach oben. Die „Todesstiege“ war der Ort zahlreicher Unfälle und Morde an Häftlingen, verübt durch Kapos (Funktionshäftling) und die SS-Wachmannschaft.
 
 
Inschrift am Fuß der Todesstiege:
Ihre heute gleichmäßigen und normal hohen Stufen waren zur Zeit des Konzentrationslagers willkürlich aneinander gereihte, ungleich große Felsbrocken der verschiedensten Formen. Die oft einen halben Meter hohen Felsbrocken erforderten beim Steigen größte Kraftanstrengung. Die SS vergnügte sich unter anderem damit, die letzten Reihen einer abwärts gehenden Kolonne durch Fußtritte und Kolbenhiebe zum Ausgleiten zu bringen so dass sie im Sturze, ihre Vordermänner mitreißend, in einem wüsten Haufen die Stufen hinunterkollerten. Am Ende eines Arbeitstages, wenn der Aufmarsch ins Lager mit einem Stein auf der Schulter begann, trieben die den Abschluss bildenden SS Leute Nachzügler mit Schlägen und Tritten an. Wer nicht mitkonnte, endete auf dieser Todesstiege.‘
 
Der Weg vom Kopf der Todesstiege hinauf ins Lager führt teilweise knapp am Abbruchhang des Steinbruchs vorbei. Eine 50 Meter hohe, fast senkrechte Felswand wurde von der SS dazu missbraucht, Häftlinge hinab zustoßen, wo ihre Körper entweder durch den Aufprall auf dem Stein zerschmettert wurden oder sie im Regenwasserteich ertranken.
 
Inschrift am Fuß der Fallschirmspringerwand:
„Diese steile Wand im Steinbruch wurden viele hunderte Häftlinge hinuntergeworfen. Sie zerschellten am Fuße der Wand oder ertranken in den tiefen Wassertümpeln. Oft stürzten sich auch Häftlinge, die die Qualen nicht mehr aushalten konnten diese Wand hinunter. Die SS nannte diese Todgeweihten mit grausigem Scherz ‚Fallschirmspringer‘. Die erste Gruppe holländischer Juden, die im Sommer 1942 nach Mauthausen kam, wurde von der SS diese Wand hinuntergeschleudert.“
 
 
Simon Wiesenthal berichtet:
„Juden in Mauthausen wurden selten erschossen. Für sie war der ‚Wiener Graben‘ bestimmt. An einem einzigen Tag, am 31. März 1943, wurden vor den Augen Heinrich Himmlers 1.000 holländische Juden aus einer Höhe von über 50 Metern hinuntergeworfen. Die SS nannte sie ‚Fallschirmspringer‘. Das braune Volk amüsierte sich!“
 
 
Eine der schlimmsten Misshandlungen bzw. Strafen war das „Pfahlhängen“, das oft in Mauthausen verübt wurde. Dem Häftling, der damit bestraft wurde, „wurden die Hände mit einem etwa fingerdicken Strick auf dem Rücken zusammengebunden. An diesem Strick wurde das Opfer dann am Querbalken einer Baracke in etwa 2 Meter Höhe aufgehängt, so dass der Körper frei in der Luft schwebte. Das ganze Körpergewicht lastete auf den nach rückwärts gebogenen Gelenken.“ Diese Tortur führte zu großen Dehnungsschmerzen der Muskulatur, zu Bewusstseinstrübung und nach 30 Minuten zur Bewusstlosigkeit.
 
 
 
Die Gaskammer wurde, in unmittelbarer Nähe des Krematoriums, im Herbst 1941 im Keller des Rohbaues des Krankenreviers errichtet. In einem kleinen Nebenraum befand sich die Einrichtung, mit der das Gas Zyklon B in die Kammer geleitet wurde. Die Vergasungen leitete hauptsächlich der Kommandoführer des Krematoriums SS-Hauptscharführer Martin Roth, aber auch andere SS- Führer wie der Standortarzt Dr. Eduard Krebsbach leiteten solche Mordaktionen und bedienten das Gaseinfüllungsgerät. In der Gaskammer wurden jeweils 30 bis 80 Personen ermordet. Über die Fertigstellung und den Beginn der Vergasungen herrscht in der Forschung keine Einigkeit, jedoch wurde von keinem SS-Führer in den Prozessen nach dem Krieg die Existenz einer Gaskammer geleugnet. Der Lagerkommandant Franz Ziereis gab bei einer Befragung am 24. Mai 1945 zur Gaskammer an: Im Lager Mauthausen wurde auf Anordnung des SS-Standortarztes Dr. Krebsbach eine Vergasungsanstalt gebaut, die als Baderaum getarnt war. In diesem getarnten Raum wurden Häftlinge mit Zyklon B vergast. Als Termine der Fertigstellung und Inbetriebnahme werden entweder der März oder der Mai 1942 genannt. Genaue Opferzahlen konnten nicht festgestellt werden, doch kann auf Grundlage der vorhandenen Unterlagen und der Zeugenaussagen von 4 000 bis 5 000 Opfern ausgegangen werden. Noch im April 1945 wurden 1200 bis 1400 Menschen in der Mauthausener Gaskammer ermordet. Die letzte Vergasung in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager fand am 28. April 1945 in der Mauthausener Gaskammer statt.
 
Augenzeugenberichte:
 
Józef Jablonski [Ehemaliger Häftling Konzentrationslagers Mauthausen Nr. 101787]:
 
„Das Lagerspital befand sich im unteren Teil des Lagers und war ausgesprochen primitiv. Es standen dort auch eine Reihe von Stallbaracken. In einer solchen Baracke befanden sich oft über tausend Personen. Organisator des gesamten Pflege- und Arztdienstes war ein Pole, der in vielen Tagebüchern aus Mauthausen erwähnte Dr. Czapliñski. Er erfreute sich nicht nur innerhalb der Häftlinge großer Autorität, sondern sogar bei dem Lagerkommandanten selber. Trotz der ausgesprochen primitiven Bedingungen war das Pflege- und Arztpersonal gut organisiert, nämlich sowohl im Revier des unteren Lagers, als auch im oberen Teil, in den Lagern I, II, und III. Leiter des Spitallabors war Dr. Fawkowicz. Im zentralen Teil des Lagers befand sich ein neu errichtetes Spital mit einer chirurgischen Abteilung. Das Spital leitete der tschechische Arzt, Dr. Podlacha. Die Abteilungsärzte waren polnische Ärzte, Dr. Krzymiñski und Dr. Liberski. Mir fiel der Arztposten im Lager III (Quarantäne) zu. Zu meiner Unterstützung verfügte ich über vier polnische Sanitäter. Die alltägliche Arbeit beruhte auf Untersuchungen kranker Häftlinge, die sich in den einzelnen Blöcken meldeten und der Erteilung medizinischer Hilfe. Die Schwerkranken wurden von den Sanitätern zum Revier getragen …“
 
Zbigniew Wlazowski [Ehemaliger Häftling des Lagers Mauthausen-Gusen, Häftlings Nr. 49943]:
 
„Jene Kranken, die in das Revier wollten, mussten sich einer vierstufigen Qualifikation unterziehen. Der erste, der darüber befand, ob man einen Häftling überhaupt einem Arzt vorführte, war der Blockschreiber. Von ihm hing die Platzierung des Namens auf der jeden Abend angefertigte Liste ab. Er konnte sich ohne Angabe von Gründen weigern, einen Namen aufzuschreiben. Der zweite Posten war der Blockführer, der die Kranken in der Mitte des Saales versammelte und sie nach ihren Beschwerden ausfragte. Seiner Meinung nach nichtige Beschwerden kurierte er persönlich mit einigen Schlägen ins Gesicht. Die so ausgewählten Kranken mussten sich hierauf waschen und den Kopf und Bart rasieren. Am nächsten Morgen wurden die Kranken, nachdem alle anderen die Baracken verlassen hatten, um zur Arbeit zu gehen, nach Blöcken gesondert aufgestellt. Ihre Durchsicht nahm nun der Lagerkommandant vor. Bei dieser Kontrolle fielen wieder viele weg. Sie wurden sofort zur Arbeit in die Steinbrüche geschickt, von der sie meist nicht wiederkehrten. Nach der Ausmusterung durch den Kommandanten gingen die Häftlinge in Begleitung der Sanitäter zum Revier. Vor dem Untersuchungszimmer wurden die Kranken noch einmal vom Revierkapo höchstpersönlich durchgesehen. Unabhängig von dem Wetter und der Jahreszeit mussten sich die Häftlinge nackt ausziehen. Ungenügende Sauberkeit brachte den Revierkapo zur Weißglut. Er brüllte, schlug und trat die Kranken, oft erschlug er sie mit einem Holzpantoffel oder einem anderen Gegenstand. Er befahl den Unglücklichen, sich unter den kalten Duschen zu waschen und sich mit einer Bürste zu scheuern. Erst dann konnten die Kranken dem SS-Arzt vorgeführt werden. Die nackten Häftlinge wurden in Zweierreihen im Untersuchungszimmer aufgestellt. Der Arzt fragte durch einen Dolmetscher nach den Beschwerden und legte manchmal sein Stethoskop an eine Brust. Er entschied, wer im Revier bleiben sollte und in welche Abteilung er geschickt wurde, oder ob die Häftlinge ambulant behandelt werden sollten. Die Aufgenommenen wurden nun aufgeschrieben, gebadet, in Spitalswäsche gekleidet und zu den entsprechenden Blöcken geschickt. Kranke, die sich nicht für eine Behandlung qualifiziert hatten, wurden in den Invalidenblock geschickt, wo sie auf den Tod, den Transport in ein anderes Lager oder die Einberufung in ein Arbeitskommando warteten.…..“
 

Weitere Augenzeugenberichte  Link:  Mauthausen Memorial

Foto 1: „Ansichtskarte“  Quelle: klaus-schaedel.de

Foto 2: „Verhungerte“  Quelle: hubpages.com/hub/MauthausenConcentrationCam

Zeichnung „Mauthausen“ von Simon Wiesenthal 1945   

Foto 3: Verbrennungsöfen Quelle: http://www.tripadvisor.de/LocationPhotos-g1136481-w2-Mauthausen_Upper_Austria.html

Fotos: Konzentrationslager Mauthausen Quelle Wikipedia

Literatur: Angerer, Christian, Karl Schuber (Hrsg.): Aber wir haben nur Worte, Worte, Worte. Der Nachhall von Mauthausen in der Literatur. Mit Fotografien von Karl Schuber. Salzburg, 2007.

 

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